Leg nicht auf! 

Plötzlich erschrak ich. Die Stille, die den Raum umgeben hatte, war nun verschwunden und wurde von einem kreischenden Ton übertönt. Nervös schaute ich mich um und erblickte ein blaues Licht, welches offensichtlich zu meinem Telefon gehörte. Eine unbekannte Nummer war auf dem Display des Mobilgeräts zu erkennen. Misstrauisch begutachtete ich die Uhr an der Wand. “Wer würde mich nur zu einer solchen Zeit noch anrufen?”, fragte ich mich.

Langsam griff ich nach dem Hörer um schließlich den grünen Knopf darauf zu betätigen. Nachdem ich die Muschel zu meinem Ohr geführt hatte, sprach ich ruhig und professionell in das Mikrofon: “Mein Name ist Schroer. Schönen guten Abend, was kann ich für Sie tun?”

Vorerst war kein Laut zu vernehmen. Mein Blick galt der Mobilstation, welche mir anzeigte, dass ich das Gespräch erfolgreich angenommen hatte, doch der mysteriöse Fremde wollte sich scheinbar nicht zu erkennen geben und verhielt sich ruhig. Dann vernahm ich ein lautes Stöhnen am anderen Ende der Leitung, worauf ich mit großer Verwirrung reagierte und begann nervös mit dem Stift ein Mindmap zu zeichnen um den Kreis der möglichen Stalker einzukreisen, welche mich nun scheinbar heimsuchten.

Zaghaft begann eine, scheinbar kleine, Person ihre Stimmbänder in Schwingungen zu versetzen und brachte schließlich einen wirklich unangenehmen schrillen Satz heraus: “AHH, verwählt!”. Hier nach konnte ich im Geiste beobachten, wie der Hörer zurück auf seine Gabel flog und schließlich wirbelnd den Tisch verließ.

Nun hängte auch ich ein und lehnte mich entspannt in meinem Chefsessel zurück. Ich war frustriert und geschockt zugleich. Ich hatte wieder gefühlte zehn Minuten mit einem sinnlosen Telefonat verschwendet. Für die Optimierung von Geschäftsprozessen nahm ich mir vor, das Telefon am nächsten Tag mit dem Anrufbeantworter zu koppeln und dort auf meine Emailadresse zu verweisen. Furchtbar.

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