Gefängniswärter 

Der Tag war heute nicht wirklich der meinige. Begonnen hat alles damit, dass ich erst um 6.15 Uhr vom Wecker meiner Freundin geweckt worden bin, obwohl ich um 5.30 Uhr hätte aufstehen müssen. Ich hatte somit noch 15 Minuten bis ich angeschnallt im Auto sitzen musste und bis da hin mussten die Zähne geputzt, die Haare gestyled, die Tasche gepackt, die Brötchen gebacken und die Klamotten angezogen sein. Ich hab das mit dem Essen und dem Kaffeetrinken einfach mal ganz weggelassen und bin pünktlich los - alles wie gehabt.

Knapp 20 Minuten später in Sennestadt von der Autobahn runter und an der roten Ampel etwas in meiner Jackentasche gesucht. Dabei fiel mir der Wohnungsschlüssel von meiner Freundin in die Hand. Ich also auf dem Parkplatz geparkt und schnell eine SMS geschrieben, dass sie ihren Schlüssel bitte nicht in der ganzen Wohnung suchen soll, dieser bei mir ist und sie einfach die Tür hinter sich zuziehen soll.

Wenige Minuten später, als ich mich gerade auf meine Präsentation vorbereitete vibrierte mein Handy. Dank meinem wundervollen Telefonanbieter oder dem herrlichen Handyhersteller hörte ich rein gar nichts. So ging das mehrere Male. Schließlich entschuldigte ich mich kurz, startete mein Handy neu und rief zu Hause zurück. Meine wirklich sehr genervte und recht saure Freundin sprach durch das Telefon zu mir »Dir ist schon klar, dass du mich hier zu Hause eingesperrt hast und ich jetzt nicht zur Arbeit komme?«. Ich musste kurz schlucken und dann fiel es mir wie Haare vom Kopf: Ich hatte wie gewohnt hinter mir abgeschlossen und ja ihren Schlüssel in der Tasche.

Ich hätte mich auf der Stelle erschießen wollen. »Wirklich klasse, Olli. Wirklich klasse.«, sagte ich zu mir. Ich wusste auch nicht was ich sagen sollte, schließlich musste ich diese Präsentation noch durchziehen. Ich vertröstete sie, sagte ihr, dass es mir leid tut legte auf.
Präsentieren war anschließend nicht mehr wirklich einfach. Die Routine in meinem Job half mir etwas, aber zu Hause hatte ich meine Freundin eingesperrt. Wie hatte mir das nur passieren können? Was würden Ihre Chefs dazu sagen, wenn sie davon berichten müsste?

Nachdem alles gelaufen war, besuchte ich noch das Blumengeschäft meines Vertrauens um zu Hause mit einer roten Rose evtl. auf etwas Verständnis zu stoßen. Doch, bei Mandy steht der Rest.

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